Hertha BSC: Im Berlin-Derby „gibt es keinen Favoriten“

Hertha BSC
REUTERS/Annegret Hilse

Am Samstagabend wird die Hauptstadt zum fünften Mal seit dem Aufstieg Union Berlins in die Bundesliga erleben, dass der nie richtig weg gewesenen Konflikt zwischen West und Ost noch immer besteht. Denn um 18:30 wird die 5. Erstligaauflage des Berliner Stadtderbys zwischen Hertha BSC und Union Berlin in Köpenick stattfinden. Dabei sieht vor allem eine tragende Figur die Begegnung gar nicht als Derby. Diese ist Pal Dardai. Während die Fans beider Hauptstadtvereine ihren großen Konflikt um die Stadtmeisterschaft seit 2019 bereits viermal austragen durften, spricht Herthas Cheftrainer bei der BILD nicht von Hass, sondern davon, dass „vor und nach dem Spiel alle Berliner“ sind. Dazu gibt Dardai sich erneut kämpferisch und fordert Mentalität seiner Spieler.

Hertha geht mit Derby-Führung in die Partie

Seitdem der selbsternannte Kultclub aus dem Ostteil der Stadt 2019 in die Bundesliga aufstieg, konnte der Rivale aus dem Westen keine Partie im Stadion in der Alten Försterei gewinnen. Trotz dessen führt Hertha die Derby-Statistik an. Unter damals noch Ante Covic reiste die Alte Dame aus Charlottenburg als Erstes nach Köpenick zu den Eisernen. Die Erstauflage verlor Hertha mit 0:1. Im Rückspiel revanchierte sich die Alte Dame unter dann Bruno Labbadia mit 3:1. Und auch das erste Spiel der vorherigen Spielzeit konnte Hertha für sich entscheiden. Dieses gewannen die blau-weißen eindrucksvoll mit 4:0, ehe im Rückspiel bereits Pal Dardai der Trainer der Hertha hieß und sich mit 1:1 aus der Alten Försterei verabschiedete. 4 Stadtderbys mit 3 verschiedenen Cheftrainern absolvierte die Alte Dame. Doch bekanntermaßen heißt der Übungsleiter Herthas noch immer Pal Dardai. Der Ungar wird zum zweiten Mal ein Derby als Cheftrainer seines Vereins angehen, erneut auswärts. Ein Stadtderby erstmals im Olympiastadion darf Dardai voraussichtlich im Januar im Achtelfinale des DFB-Pokals begleiten.

Dardai fordert Mentalität

Es ist längst kein Geheimnis mehr, dass Sportchef Fredi Bobic bei der Kaderzusammenstellung eher auf Tugenden wie Mentalität und Teamzusammenhalt setzte, anstatt auf individuelle Qualität der Spieler, wie es sein Vorgänger Michael Preetz tat. Neutral betrachtet würde man sagen, dass genau diese neuen Qualitäten förderlich sind, um ein Derbysieg zu erlangen. Ähnliches sagte nun Pal Dardai, der davon spricht, dass im Derby „jeder Zweikampf zählt. An diesem Tag musst du richtig fit sein, die Reaktionsschnelligkeit ist besonders wichtig. Dazu darfst du nicht übermotiviert sein. Es kann gefährlich sein, sich von Emotionen mitreißen zu lassen. Dazu setzt der Ungar erneut auf die Tagesform seiner Mannschaft, wie er auf der Spieltags-Pressekonferenz hinzufügte.

Union steht vor Hertha in der Tabelle

Vor Beginn des Derbys kann man aus der Tabelle herauslesen, dass bei einem Sieg der Alten Dame, Hertha seinen Rivalen nicht überholen würde. Union wird als Tabellenachter mit 17 Punkten in die Partie gehen, wohingegen Hertha mit 13 Zählern auf dem 13. Rang der Bundesliga steht. Doch die aktuelle Tabellensituation irritiert Dardai nicht, wie er sagte. Denn „Es sind aktuell vier Punkte Unterschied. Das ist nicht viel. Wir brauchen uns für nichts zu schämen. Wir haben einen Umbruch nach dem Umbruch erlebt. Der war nötig und wichtig. Jetzt finden wir uns, sind zurück in der Spur und spielen wieder erfolgreicher“.

Darauf ist Dardai stolz

Auch, wenn Union derzeit vor Hertha in der Tabelle rangiert, „müssen wir uns nichts (von Union) abgucken“, wie der Cheftrainer ausführte. Er sei auf nachhaltige Dinge wie die Nachwuchsakademie seiner Hertha stolz. Denn „wir haben beispielsweise eine sehr gute Akademie, feiern dort Erfolge. Wir haben ein ordentliches Verhältnis zu Union, arbeiten in dem Bereich gut und eng zusammen. Wir haben gegenseitig Respekt. Und auch, wenn ausnahmsweise mal der ein oder andere hin und her wechselt, wir klauen uns gegenseitig keine Talente“. Gleiches offenbart, dass für den Ungar das Derby gar kein Derby ist.

„Wir sind alle Berliner“

Weiter führte Dardai aus, dass dieses Spiel trotz seiner Wertschätzung für Union emotional wird. Denn „für 90 Minuten gibt es keine Freunde. Aber vor und nach dem Spiel sind wir alle Berliner. Natürlich haben wir eine sportliche Rivalität.“ Die Rivalität müsse sich laut Herthas Cheftrainer noch entwickeln. Der Ungar vergleicht das Spiel mit „wie zum Beispiel zwischen Real Madrid und dem FC Barcelona. Wir müssen noch 15 Jahre lang Rivalen sein und müssten dann beide um die Meisterschaft kämpfen“, damit es eine richtige Rivalität gäbe.

Wer gewinnt das Derby?

Angesicht der aktuellen Tabelle könnte man meinen, dass Union als Favorit in das fünfte Stadtderby gehen wird. Somit könnte auch eine weitere Niederlage auf Hertha zukommen. Doch vor einer Niederlage hat der Cheftrainer Herthas keine Angst. Denn „Ich habe vor vielen Dingen keine Angst mehr, auch davor nicht. Für mich ist vor allem wichtig, dass wir nach dem Spiel in den Spiegel schauen können und sagen: Wir haben alles versucht.“ Dazu meint Dardai, dass „es keinen Favoriten im Derby gibt“. Diese Aussage unterstützte Sportchef Fredi Bobic. Weiter war der Ungar der Meinung, dass „wenn man das ganz große Bild sieht, haben wir die Nase vorn. Liga-Zugehörigkeit, Zuschauerschnitt, im Nachwuchs dominieren wir. Wir haben eine schöne Vergangenheit. Aber ich bin froh, dass es Union in die 1. Liga geschafft hat. Aber ich glaube, wir sind noch eine Nase vorn.“

Derby wird ausverkauft stattfinden

Bezüglich dessen, dass das kommende Derby das erste sein wird, welches seit Beginn der Pandemie ausverkauft stattfinden darf, obwohl die pandemische Lage in Berlin wieder in den kritischen Bereich vorrückte, rechtfertigte sich Fredi Bobic. Herthas Sportchef sagte: „Das war in den Vorgesprächen einhellige Meinung, dass man das so machen kann. Wir haben eine Vorgabe und daran halten wir uns. Stadien waren bisher nicht als Treiber für Infektionen bekannt. Das wird auch von allen Seiten bestätigt.“ Nur wer geimpft oder genesen ist, darf am Samstag in der Alten Försterei dabei sein. Dazu riefen die Berliner Verantwortlichen auf, sich vor dem Stadionbesuch einem freiwilligen Test zu unterziehen. Schaden kann dies nicht.

Wer wird Hertha bei Union fehlen?

Nachdem Kapitän Dedryck Boyata bereits das Spiel gegen Leverkusen aufgrund seiner Rot-Sperre verpasste, wird der belgische Nationalspieler bei noch zwei weitere Begegnungen seiner Hertha aussetzten müssen. Somit wird Marton Dardai erneut seinen Platz in der Innenverteidigung neben Niklas Stark finden. Dazu wurde bereits letzte Woche bekannt gegeben, dass Stevan Jovetic sich mit dem Coronavirus infiziert hat. Doch der Montenegriner darf aufgrund des Freitestens, welches geimpften Menschen nach 5 Tagen Quarantäne erlaubt ist, in Köpenick dabeisein. Zu Boyata gesellen sich nur Lukas Klünter, der sich nach seiner Schulter-OP auf dem Weg der Besserung befindet und Vladimir Darida, der wegen einer Verletzung am Oberschenkelknochen vorerst ausfällt.

Wie wird Hertha im Derby auflaufen?

Auch, wenn Dardai auf der Spieltags-PK zugab, dass er möglicherweise auf eine 4-4-2 Formation umstellen könne, da vor allem Ishak Belfodil eine sehr gute Trainingswoche absolviert haben soll, kam Hertha zuletzt sehr stark über ihre Kompaktheit durch das 4-3-3 System. Kompaktheit wird auch im Derby ein Schlüssel zum Erfolg sein. Daher glaube ich nicht, dass Dardai von seiner kompakten taktischen Ausrichtung abweicht. Aufgrund des Ausfalls von Darida, muss der Ungar eine wichtige Postion im zentralen Mittelfeld anders besetzen. Für Darida könnte voraussichtlich Prince Boateng auflaufen. Er, der Mann bei der Hertha, dem man wie keinem anderen die Leaderqualitäten in einem Derby zutraut. Dazu wird Selke, wenn er spielt, den Vorzug vor Piatek erhalten. Piatek glänzte zuletzt nicht für Hertha, kann als Joker allerdings stets überzeugen. Somit könnte die Alte Dame im Derby folgendermaßen auflaufen:

Hertha BSC: Mögliche Austellung