Dreier- vs. Viererabwehrkette

REUTERS/Thilo Schmuelgen

Heutzutage dominieren weltweit zwei verschiedene Verteidigungssysteme den Fußball. Nachdem die Viererkette über einen langen Zeitraum als beste Ausrichtung gegolten hatte, kam die Dreierkette in jüngster Vergangenheit immer mehr in Mode. Mittlerweile wechseln Trainer das Verteidigungssystem sogar während des Spiels. Teilweise agieren Mannschaften in der Offensive mit einer Dreierkette und in der Defensive mit einer Viererabwehrkette. Doch welche Vor- und Nachteile bringen die beiden Systeme mit sich? Welches System ist das bessere?

Die Viererkette

Vorteile

Ein großer Vorteil der Viererabwehrkette ist, dass die Außenbahnen stets mit einem Außenverteidiger besetzt sind. So werden die Außenspieler der gegnerischen Mannschaften perfekt gedeckt und haben in der Regel weniger Raum, ihre Stärken zu entfalten. Ein weiterer Vorteil der Viererkette ist, dass ein zusätzlicher Spieler im zentralen Mittelfeld eingesetzt werden kann, um eventuell Überzahl im Zentrum des Spielfelds zu erlangen. Falls die gegnerische Mannschaft nur mit einem Stürmer agiert, werden nicht zwei sondern nur ein Innenverteidiger keinen direkten Gegenspieler haben. Bei einer Dreierkette würde somit der gegnerische Stürmer auf drei Innenverteidiger treffen, sodass die gegnerische Mannschaft in anderen Teilen des Spielfelds in Überzahl hat.

Nachteile

Nachteil an der Viererkette ist, dass wenn die Außenverteidiger weit in die gegnerische Hälfte aufgerückt sind, nominell nur noch zwei Verteidiger für die Konterabsicherung eingesetzt werden können. Ein nicht unerheblicher Nachteil ist auch, dass es häufig zu Abstimmungsproblemen zwischen Innenverteidigern und dem Außenverteidigen kommt, denn oft ist nicht klar, welcher Defensivspieler in den jeweiligen Spielsituationen die sogenannten Halbräume vor der Abwehr decken sollte.

Die Dreierkette

Vorteile

Der womöglich größte Verteil einer Dreierabwehrkette ist, dass der Trainer über einen Innenverteidiger mehr verfügt als in der Viererverteidigung. Somit sind die Mannschaften, die mit einer Dreier- bzw. Fünferkette agieren, besser gegen Konter abgesichert. Zusätzlich kann der Trainer zwischen einer Dreier- bzw. Fünferkette problemlos hin und her wechseln, ohne dass sich die Spieler großartig umstellen müssen. Der Unterschied zwischen einer Dreier- und einer Fünferkette ist nämlich nur, dass bei einer Dreierkette die Außenspieler weiter nach vorne geschoben werden, als bei einer Fünferabwehrkette.

Nachteile

Der womöglich größte Vorteil der Dreierkette, kann sich jedoch schnell als sehr großer Nachteil entpuppen. Bei diesem System wird ein Verteidiger mehr eingesetzt, sodass im Mittelfeld häufig Unterzahl herrscht. Falls die Innenverteidiger nicht die offensiveren Mittelfeldspieler der gegnerischen Mannschaften attackieren, fehlt häufig der Zugriff auf die gegnerischen Spieler. Zusätzlich ist es bei einer Dreierkette enorm wichtig, dass einer der Innenverteidiger über eine ausgesprochen gute Spieleröffnung verfügt. Ansonsten wird es schwer werden die erste Reihe der gegnerischen Mannschaft zu überspielen.

Fazit

Beide Systeme haben sicherlich das Potenzial, erfolgreich zu sein. Deshalb wechselt beispielsweise Bayern-Trainer Julian Nagelsmann innerhalb eines Spiels zwischen diesen beiden taktischen Ausrichtungen hin und her. Ein Verfechter der Dreierkette ist zum Beispiel Atalanta-Trainer Gian Piero Gasperini, welcher diese sehr offensiv spielen lässt und fast nie auf eine Viererkette umstellt.

Wohingegen Pep Guardiola die Viererkette bevorzugt, teilweise aber ebenfalls mit einer Dreierkette agiert hat. Der aktuelle Lazio-Trainer Maurizio Sarri ist sogar so überzeugt von seinem 4-3-3-System, dass er praktisch nie auf eine Dreierkette umstellt. Letztendlich gibt es unserer Meinung nicht das optimale System, denn beide Verteidigungsarten haben in der Vergangenheit zu Erfolg geführt und bringen wie oben beschrieben gewisse Vor- und Nachteile mit.