Joker-Transfers in Frankreich: Eine Regelung auch für die Bundesliga?

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REUTERS/Jean-Paul Pelissier

Seit dem 1. September ist das Sommer-Transferfenster offiziell geschlossen. Trotzdem wurde in der französischen Ligue 1 in diesem Monat nochmal ein Wechsel vermeldet – und es war kein vertragsloser Spieler. Wie das möglich ist und was hinter dieser Regelung steckt, verraten wir euch in diesem Beitrag.

Niang im September von Stade Rennes nach Bordeaux

Am 14. September vermeldete Girondins Bordeaux den Transfer von M’baeye Niang, der dem ein oder anderen noch aus seiner Zeit in Mailand bekannt sein könnte. Zwei Wochen war das Transferfenster zu diesem Zeitpunkt schon geschlossen. Möglich gemacht hat das eine Sonderregelung, die es zum aktuellen Zeitpunkt nur in Frankreich gibt. Die Ligue 1 und Ligue 2 erlaubt den Vereinen auch nach Ende der Wechselperiode einen Joker-Transfer. Voraussetzung: Der Spieler muss schon in Frankreich unter Vertrag stehen- egal ob in der ersten oder zweiten Liga. Die Regelung soll den Vereinen im Falle von unerwarteten Ausfällen unter die Arme greifen.

Hat die Bundesliga Handlungsbedarf?

In der Bundesliga und allen anderen Top-Ligen ist diese Regelung nicht erlaubt, wobei man sich die Frage stellen muss: Warum eigentlich nicht? Kurzfristige Ausfälle können immer passieren und auch wenn man im Sommer genug Zeit hat, einen breiten Kader aufzustellen, hat nicht jeder Verein die finanziellen Mittel, um die nötige Kaderbreite herzustellen. Essenzielle Ausfälle können besonders kleine Vereine hart treffen, die sich dann lediglich noch nach vertragslosen Spielern umschauen können. Ein einziger Joker-Transfer, wie es in den höchsten Spielklassen Frankreichs möglich ist, wäre für den ein oder anderen Verein sicherlich goldwert.

Dagegen spricht eigentlich so gut wie nichts, denn schließlich herrschen die gleichen Bedingungen für alle. Kein Verein ist gezwungen zu verkaufen und für Vereine mit überfülltem Kader wäre dies nochmal eine Möglichkeit, auch nach dem Ende des Transferfensters einen Spieler abzugeben, den man bis zum 31. August nicht unter den gewünschten Konditionen losgeworden ist. Von einem Wettbewerbsvorteil kann hier keinesfalls die Rede sein.

Joker-Transfers als Anpassung an die Zeit?

Besonders in der heutigen Zeit würde diese Regelung Sinn ergeben. Die Belastung für die Spieler wird aufgrund des immer volleren Terminkalenders größer und größer, wodurch sich vor allem muskuläre Verletzungen häufen. Eine solche Regelung würde den Vereinen etwas Sicherheit geben, da es mit dem Joker-Transfer immer noch eine kleine Hintertür geben würde. Wir würden diese Regelung jedenfalls begrüßen und hoffen sehr, dass die Bundesliga und andere Top-Ligen in den nächsten Jahren nachziehen werden.