Quick Tactics: Der abkippende Sechser

Quick Tactics: Abkippender Sechser
Reuters/Matthew Childs

Herzlich willkommen bei Quick Tactics! In dieser mehrteiligen Serie erklären wir euch einzelne taktische Konzepte des modernen Fußballs, die aktuell häufig zu sehen sind. Wir gehen kurz, knapp und verständlich sowohl auf die Umsetzung als auch auf die Beweggründe bestimmter Ideen und Verhaltensweisen auf dem Platz ein, die auf den ersten Blick vielleicht nicht immer ersichtlich sind. In Part eins dieser Serie geht es um den abkippenden Sechser.

Was ist ein abkippender Sechser?

Dieses Konzept ist eigentlich nicht sonderlich kompliziert. Der Sechser ist wohlbekannt als defensiver Mittelfeldspieler, der als letzte Instanz vor der Abwehr Räume zuläuft und Zweikämpfe führt. In Ballbesitz ist er zumeist eine wichtige Figur im Spielaufbau, was seinen Teil zur Popularität des abkippenden Sechsers beigetragen hat.

Dass dieser defensive Mittelfeldspieler im Spielaufbau abkippt, bedeutet lediglich, dass er sich in Ballbesitz einer Reihe tiefer – sprich in die Verteidigung – fallen lässt. Zumeist tut er dies zentral zwischen den beiden Innenverteidigern, da dies seiner natürlichen Positionierung im Raum am nächsten kommt und die Laufdistanzen daher kürzer sind. Andererseits ist auch ein Abkippen neben einem der beiden Innenverteidiger möglich, sodass einer von ihnen dann den zentralen Part im Aufbau übernimmt.

Auch in Systemen mit Dreierkette gibt es den abkippenden Sechser. In diesem Fall wird dadurch dann im Spielaufbau aus der Dreier- wieder eine Viererkette, was wiederum andere Passoptionen birgt.

Vor- und Nachteile des abkippenden Sechsers

Der große Vorteil des abkippenden Sechsers ist schlichtweg die Überzahl im Spielaufbau. Wenn sich ein Team gerne über seine beiden Innenverteidiger spielerisch mit flachen Pässen nach vorne kombinieren möchte, diese aber jeweils von einem Gegner angelaufen und gepresst werden, kommt der Sechser ins Spiel. Durch sein Zurückfallen wird die Überzahl im Spielaufbau wieder hergestellt. Nun muss der Gegner einen weiteren Spieler zum Anlaufen aufwenden, was wiederum weiter vorne Räume öffnet.

Zudem sehen viele Trainer auch einen Vorteil darin, einen spielerisch starken Mittelfeldspieler auf diese Weise mehr in den Aufbau einzubinden. Besonders bei technisch limitierten Innenverteidigern kann dies von Vorteil sein. Weiterhin hat der Sechser deutlich mehr Freiheiten, nach dem Abkippen den Ball am Fuß nach vorne zu treiben und dadurch Raumgewinn zu erzielen. Ein Innenverteidiger kann sich dies aufgrund seiner Position seltener erlauben.

Dieses Konzept bietet allerdings auch einen Nachteil. Denn durch sein Abkippen verlässt der Sechser natürlich seinen angestammten Raum, den dann andere Akteure besetzen müssen. Dadurch kann schnell eine Unterzahl im Mittelfeld entstehen, was besonders nach Ballverlust oder bei zweiten Bällen zum Problem werden kann.