Quick Tactics: Der Einwurf als Standardsituation

Quick Tactics: Der Einwurf als Standardsituation
REUTERS/Sergio Perez

In der heutigen Ausgabe von Quick Tactics geht es um eine lange unterschätzte Situation im Fußball, die in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen hat. Die Rede ist vom Einwurf. Ein Standard, der im Spiel durchschnittlich ungefähr 50 Mal vorkommt und damit um einiges häufiger als Ecken, Abstöße und Freistöße. Ein großer Vorreiter für die größer werdende Popularität der Einwürfe ist Jürgen Klopp, der mit seinem FC Liverpool sogar einen Einwurftrainer engagierte. In der Bundesliga führte dies zuletzt etwa Mainz 05 unter Bo Svensson fort. Doch lassen sich Einwürfe wirklich effektiv nutzen?

Mit Einwurftrainern zu arbeiten zielt meist darauf ab, die Effektivität und Präzision von Einwürfen im Allgemeinen zu verbessern. Dies hängt nicht nur von der Technik des Ausführenden ab, sondern auch von der Handlungsschnelligkeit und abgestimmten Bewegungen der Spieler im Feld. In diesem Artikel soll es allerdings vor allem darum gehen, warum immer mehr Teams den Einwurf als Gelegenheit zum Flanken nutzen.

Wie wird der Einwurf als Standard gebraucht?

Denn aktuell ist es häufig zu sehen, dass Teams bei einem Einwurf im letzten Drittel nicht wie früher üblich versuchen, sich per kurzem Einwurf und schnellen Pässen aus dem engen Raum an der Seitenlinie zu lösen. Deutlich öfter ist es der Fall, dass die Feldspieler sich wie in Erwartung einer Flanke im Strafraum sammeln.

Der Werfer befördert die Kugel dann so weit wie möglich in die Box hinein, was zu gefährlichen Situationen führen kann. Zuvor wendeten Teams sich erst in den letzten Minuten aus Verzweiflung an dieses Mittel, doch mittlerweile gehen immer mehr Mannschaften methodisch so vor. Grundvoraussetzung sind lediglich ein guter Werfer und kopfballstarke Adressaten.

Vorteile des Einwurfs als Standardsituation

Einwürfe dahingehend also als Standardsituationen und dementsprechend als Möglichkeit zum Flanken anzusehen, birgt viele Vorteile. Einerseits gibt es den Einwurf im Spiel enorm häufig, deutlich öfter als jede andere Standardsituation. Diese bieten in der Regel den Luxus einer unbedrängten Flanke, was mit kopfballstarken Zielspielern natürlich unheimlich wertvoll sein kann.

Zudem gibt es beim Einwurf kein Abseits. Dies ermöglicht es den Feldspielern, sich anders als bei jeder anderen Standardsituation mit gezielten und gut getimten Laufwegen einen räumlichen Vorteil in Richtung des gegnerischen Tores zu verschaffen.

Weiterhin sprechen sich gefährliche Einwürfe auch bei den Gegnern rum. Dies könnte durchaus dazu führen, dass Teams einen Einwurf auf gleiche Art und Weise verhindern wollen, wie eine Ecke und dabei Ballverluste oder andere Fehler in Kauf nehmen.

Nachteile des Einwurfs als Standardsituation

Allerdings hat diese Taktik durchaus auch ihre Nachteile. Beispielsweise ist eine Einwurfflanke niemals gleichwertig mit einer wohltemperierten Hereingabe per Fuß. Der hohe Bogen der Flugkurve eines Einwurfs führt dazu, dass der Ball deutlich länger in der Luft ist. Dies gibt den Verteidigern natürlich mehr Reaktionszeit, was den Einwurf leichter zu Verteidigen macht. Somit kommt es nicht selten vor, dass der Ball wie ein Boomerang zurückkommt und der Gegner kontern kann.

Fazit: Einwurfflanken rechtfertigen das (geringe) Risiko

Nichtsdestotrotz bietet der Einwurf als Standardsituation mehr Vorteile als Nachteile. Traditionell im letzten Drittel kurz ausgeführt resultiert er ohnehin häufig in einem Ballverlust. Somit ist das Risiko der Konter relativierbar und vor allem wie bei anderen Standardsituationen auch durch die Restverteidigung zu minimieren. Im Endeffekt kann es sich lohnen, jede Möglichkeit zu nutzen, den Ball unbedrängt in den gegnerischen Strafraum zu befördern. Besonders, wenn sich diese Gelegenheit so häufig bietet wie ein Einwurf.