Serie A – Topteams im Check: Mittelfeldstruktur 1/2

REUTERS/Jennifer Lorenzini

Die höchste italienische Spielklasse, die Serie A, begeistert seit jeher die Fußballwelt. Auch der italienische Fußball ist mit dem Wandel der Zeit gegangen und hat sich in den letzten Jahren rapide verändert. Der vor einigen Jahren praktizierte „Catenaccio“ ist seit Längerem Geschichte. In den letzten Saisons vielen immer mehr Tore. „Attraktiver Fußball“ wird nun auch auf dem Stiefel großgeschrieben!

Saison Durchschnittliche Tore pro Spiel
2018/192,6816
2019/203,0368
2020/21 3,0605

Die Topteams haben zwar alle unterschiedliche Herangehensweisen, um erfolgreiche zu sein, jedoch lässt sich tendenziell festhalten, dass sie in den letzten Jahren immer offensiver geworden sind. Atalanta Bergamo ist das Paradebeispiel, da sie in den vergangenen zwei Saisons immer mindestens 90 Tore geschossen haben. Aber wie unterscheiden sich die Spielweisen der Topmannschaften? Was macht die Mittelfeldspieler der Topteams so besonders?

Inter Mailand – Brozovic ist der Taktgeber

– Barella, Brozovic, Calhanoglu –

Der amtierende Meister spielt einen hochattraktiven Fußball. Die Interisti verfügen über ein ausgesprochen gutes Mittelfeld. Nicolo Barella ist ein sehr explosiver Mittelfeldakteur, der häufig im gegnerischen Strafraum vorzufinden ist. Wohingegen Hakan Calhanoglu stets das Auge für seinen Nebenmann besitzt und ein überragender Distanzschütze ist. Besonders hervorzuheben ist jedoch Marcelo Brozovic, der zweifelsohne der Taktgeber des Inter-Spiels ist. Der Kroate entscheidet, wie schnell das Spiel gemacht und wann der Diagonal-Ball auf die Außenspieler gespielt wird. Insgesamt zeichnet sich Inter mit dem neuen Trainer Simone Inzaghi weiterhin durch exzellentes Konterspiel aus, liebt es aber auch, das Spiel zu kontrollieren und den Ball in den eigenen Reihen zirkulieren zu lassen. Das Mittelfeld gehört unserer Meinung nach zu den besten der Serie A.

AC Mailand – Physisch unglaublich stark

– Tonali, Kessie, Diaz –

Der AC Mailand spielt ebenfalls hochattraktiven Fußball, unterscheidet sich von Erzrivale Inter jedoch dahingehend, dass sie von ihrer physischen Präsenz profitieren. „Mittelfeldbulle“ Franck Kessie kann auch im Kombinationsspiel mithalten, zeichnet sich jedoch vor allem durch seine ausgezeichnete Zweikampfführung aus. Der Ivorer spielt sehr selten Foul und läuft nahezu 90 Minuten durch. Neben Franck Kessie spielt meistens Sandro Tonali auf der Doppelsechs. Der 21-Jährige hat die Milan-Legende Gennaro Gattuso als Vorbild. Er liebt es ebenfalls wie es Gennaro Gattuso liebte gegen den Ball zu spielen und kann mit seinem Antritt nahezu jedes Tempo eines Stürmers mitgehen. Im Gegensatz zu den beiden physischen Sechsern, zeichnet sich der kleine Spanier Brahim Diaz besonders durch seine Technik und enge Ballführung aus. Teilweise lässt er seine Gegner wie Slalomstangen aussehen und geht an zwei oder drei Gegenspielern vorbei. Insgesamt ist das Milan-Mittelfeld sehr jung und könnte in den nächsten Jahren eines der besten in der Serie A werden.

SSC Neapel – Perfektes Kombinationsspiel

– Anguissa, Ruiz, Zielinski –

Die Neapolitaner spielen zwar nicht mehr so offensiv wie unter Ex-Coach Maurizio Sarri, haben aber weiterhin Ballstafetten, in denen die gegnerische Mannschaft beim Zuschauen nur staunen kann. Napoli versucht den Gegner müde zu spielen und lässt sehr gerne den Ball durch die eigenen Reihen zirkulieren. Paradespieler hierfür ist Fabian Ruiz: Der spanische Edeltechniker ist beidfüßig und definitiv der Taktgeber des Napoli-Spiels. Neben ihm spielt meistens Anguissa auf der Sechser-Position. Der Kameruner fungiert als Stabsauger vor der Abwehr und gibt dem Napoli-Spiel eine physische Note, die ihnen in den letzten Jahren im Mittelfeld eventuell gefehlt hat. Auf der Zehnerposition spielt meistens der polnische Nationalspieler Piotr Zielinski. Dieser verfügt über eine ähnliche Explosivität wie Nico Barella bei Inter Mailand und erzielte bereits einige Tore für die Süditaliener. Insgesamt sind die Neapolitaner sehr auf Kombinationsspiel ausgelegt und versuchen stets die Kontrolle über das Spiel zu behalten.

Atalanta Bergamo – Meter um Meter abspulen

– Hateboer, Freuler, de Roon, Gosens

Der Trainer der Bergamaschi, Gian Piero Gasperini, lässt wahrscheinlich den attraktivsten Fußball der gesamten Liga spielen, verlangt jedoch von seinen Spielern, dass sie 90 Minuten lang nahezu ununterbrochen Vollgas geben. So wundert es kaum, dass die Mittelfeldspieler Meter um Meter abspulen müssen. Atalanta agiert normalerweise in einer 3-4-2-1-Formation. Besonders die vier Mittelfeldspieler müssen über eine ausgesprochen gute Ausdauer verfügen. Remo Freuler und Marten de Roon bilden das Herzstück des Mittelfelds. Sie sorgen für die Balance im Atalanta-Spiel und verfolgen nahezu jeden Angriff bis an den Sechzehner der gegnerischen Mannschaft. Die beiden Außenspieler werden im Fußballfachjargon als Schienenspieler bezeichnet, da sie die Außenbahnen rauf und runter fetzen müssen. Im Atalanta-System gibt es nur einen Außenspieler auf beiden Seiten, weshalb Gosens und Hateboer gezwungen sind, die Aufgaben eines Abwehr- und Flügelspielers gleichermaßen zu erfüllen.