VfL Wolfsburg: 3 Gründe für den Absturz in der Saison 2021/22

Wolfsburg Gründe Absturz
REUTERS/Annegret Hilse

Mit dem torlosen 0:0 gegen Hertha BSC ist der VfL Wolfsburg am vergangenen Bundesliga-Spieltag zum siebten Mal in Folge sieglos geblieben. Auch wenn durch das Remis die Serie von zuvor sechs Niederlagen am Stück beendet werden konnte, wird es bei den Wölfen kaum Grund zur Freude geben. Die Situation im Tabellenkeller wird immer bedrohlicher und nur weil die Qualität im Kader zweifellos vorhanden ist, heißt das noch lange nicht, dass der Champions League-Teilnehmer von einem Abstieg definitiv verschont bleibt.

Logischerweise gerät auch Trainer Florian Kohfeldt immer stärker unter Druck. Nach seinem perfekten Einstand (drei Pflichtspiel-Siege in Folge) ging es in den letzten Wochen immer weiter bergab. Der schon jetzt umstrittene Übungsleiter muss zeitnah Ergebnisse liefern, wenn er seinen Job noch mindestens bis zum Saisonende behalten will.

Doch was sind die Gründe für den extremen Absturz des VfL Wolfsburg? Dieselbe Mannschaft, die in der letzten Saison nur zwei der ersten 23 Spiele verloren hat und keinen Leistungsträger abgeben musste, bekommt plötzlich nichts mehr auf die Reihe. Wir haben uns auf die Suche nach den Ursachen gebeb, etliche Daten und Statistiken von dieser und der letzten Spielzeit verglichen und basierend auf diesen Recherchen ein paar Gründe ausfindig gemacht, wieso die Wölfe in dieser Spielzeit nicht an ihren Erfolg anknüpfen können.


1. Wölfe sind das lauffaulste Team der Liga

Mit 2119,37 gelaufenen Kilometern in 19 Spielen ist der VfL Wolfsburg aktuell das lauffaulste Team der Bundesliga. Zum Vergleich: In der abgelaufenen Spielzeit haben die Wölfe zu diesem Zeitpunkt bereits 92 Kilometer mehr abgespult, was pro Spiel im Schnitt einen Unterschied von fast 5 Kilometern ausmacht! Die genauen Zahlen haben wir euch in der nachfolgenden Tabelle aufgelistet.

Laufleistung2020/212021/22
Gesamt nach 19 Spielen 2212 km2119 km
Ø pro Spiel 116,4 km111,52 km
Ø pro Spieler pro Spiel10,58 km10,13 km

2. Offensive ist viel zu ineffektiv

Mit 17 Toren in 19 Spielen stellt der VfL Wolfsburg (zusammen mit dem VfL Bochum) hinter Schlusslicht Greuther Fürth die zweitschlechteste Offensive der Liga. Anders als bei den Aufsteigern liegt die Ursache dafür in erster Linie aber nicht an zu wenig Torchancen, sondern an brutaler Ineffektivität.

Der xG-Wert sagt aus, wie viele Tore angesichts der Qualität und Anzahl der Chancen hätten erwartet werden können. Da uns für die abgelaufene Spielzeit keine Daten vorliegen, wie hoch der xG-Wert nach 19 Spielen gewesen ist, haben wir einen durchschnittlichen xG-Wert pro Spiel errechnet und diesen mit 19 multipliziert.

In dieser Saison beträgt der xG-Wert des VfL Wolfsburg nach 19 Spielen 27,3. Es hätten also circa 27 Treffer erwartet werden können. Erzielt wurden jedoch nur 17 – also rund 10 weniger!

In der abgelaufenen Spielzeit hatte der VfL – bei einem geschätzten xG-Wert von 27,66 nach 19 Spielen – zu diesem Zeitpunkt schon 30 Treffer auf dem Konto, womit der xG-Wert um fast drei Tore übertroffen wurde. Am Ende der Saison waren es bei einem xG-Wert von 49,5 sogar 57 Treffer – also fast acht mehr als erwartet. Diese Effektivität vor dem Tor sollte der VfL schnellstmöglich wiederfinden.

2020/212021/22
Tore nach 19 Spielen3017
xG-Wert nach 19 Spielen ~ 27,6627,3
Ø Tore pro Spiel 1,570,89
xG-Wert Ø pro Spiel 1,451,44
Differenz Tore und xG-Wert +2,44-10,3

3. Das Pressing hat deutlich nachgelassen

Beim Thema Pressing hat dem VfL Wolfsburg in der abgelaufenen Spielzeit keine Mannschaft etwas vorgemacht. Mit 5830 Druckausübungen auf den Gegner, der den Ball entweder führt, annimmt oder abgibt, lagen die Wölfe im ligaweiten Vergleich auf Platz 1. Pro Spiel haben Weghorst & Co. den Gegner im Schnitt stolze 171,4-mal unter Stress gesetzt.

In der laufenden Saison ist der VfL in dieser Hinsicht nur noch Mittelmaß. 2966 Druckausübungen nach 19 Spielen bedeuten im ligaweiten Ranking lediglich Platz 10. Pro Spiel ergibt dies einen durchschnittlichen Wert von 156,10. Das sind rund 10 % weniger, die am Ende des Tages einen großen Unterschied ausmachen können.

Dementsprechend ist auch die Anzahl der Male, die der VfL innerhalb von fünf Sekunden nach Druckausübung den Ball erobert hat, deutlich geringer. 2020/21 waren es stolze 1939, im Schnitt 57 pro Spiel. In der laufenden Spielzeit sind es bisher nur 947 Balleroberungen nach Pressing, was einen durchschnittlichen Wert von 49,8 pro Spiel ergibt.

Doch nicht nur die Bereitschaft, sondern auch die Effektivität des Pressings hat leicht nachgelassen. Während 2020/21 im Schnitt jede 3,006-te Pressing-Situation zur Balleroberung führte, ist es 2021/22 nur noch jede 3,13-te. Hierbei ist der Unterschied zwar nicht gravierend, aber trotzdem vorhanden.

2020/212021/22
Ø Druckausübungen pro Spiel171,4156,10
Ø Balleroberungen nach Druckausübung pro Spiel5749,8
Ø benötigte Druckausübungen für eine Balleroberung3,0063,13

Fazit: Hat der VfL die falschen Offensivspieler verpflichtet?

In der abgelaufenen Spielzeit hatte der VfL Wolfsburg ein Grundgerüst, das nahezu jede Woche auf dem Platz stand. Es bestand aus Spielern, die zum einen für ein aggressives Pressing gut geeignet waren und zum anderen genauestens wussten, was in diesem System ihre Aufgabe ist.

Die im Sommer getätigten Offensiv-Transfers passen offenbar eher nicht in dieses Anforderungsprofil. Dodi Lukebakio fiel bereits bei Hertha BSC durch seine Lustlosigkeit auf und auch Maximilian Philipp und Luca Waldschmidt sind eher für ihre Fähigkeiten mit und nicht gegen den Ball bekannt. In Kombination mit der mangelnden Chancenverwertung kommt am Ende genau das bei raus, was beim VfL momentan zu beobachten ist – eine brutale Ergebniskrise. Wir dürfen gespannt sein, ob die Wölfe ihre Spielphilosophie derart ändern können, dass sie schon bald das Ruder wieder rumreißen.